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16.04.2018

In Baden-Württemberg startet bundesweit erste Fernbehandlung für Kassenpatienten

Bequem online Kontakt mit dem Arzt aufnehmen und sich beraten lassen: Die Telemedizin macht's möglich.

„Telemedizin ist ein Gewinn und bald auch eine Notwendigkeit.“

Patienten in Stuttgart und Tuttlingen können sich seit Montag (16. April) telemedizinisch beraten und behandeln lassen – ohne dass sie vorher einen Arzt getroffen haben. Damit startet erstmals in Deutschland ein telemedizinisches Modellprojekt für Kassenpatienten. Und Baden-Württemberg zeigt sich einmal mehr als digitales Musterländle.

Seit Jahren fördert die baden-württembergische Landesregierung verschiedene Maßnahmen im Bereich der Telemedizin. Den großen Durchbruch gab es allerdings erst 2016, als die baden-württembergische Landesärztekammer – bundesweit bis heute einmalig – ihre Berufsordnung lockerte, um die ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen.

So wurde das allererste Modellprojekt zur ausschließlichen Fernbehandlung von Privatversicherten im Oktober 2017 genehmigt, zwei weitere Projekte bekamen im Februar 2018 grünes Licht. Und mit den Modellprojekten in Stuttgart und Tuttlingen testet nun die Kassenärztliche Vereinigung erstmals die Fernbehandlung mit Kassenpatienten. Die Auswertung des Projektes fördert das Land mit 100.000 Euro.

Immer weniger Ärzte und immer mehr Arztkontakte pro Patient

„Die digitale Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen nimmt damit weiter Fahrt auf“, bemerkt Andreas Deuschle dazu. „Und es ist ein tolles Signal, dass diese von Baden-Württemberg ausgeht.“ Schließlich behaupte sich der Südwesten auch im Bereich der Medizin als Innovationsregion Nummer eins. Deuschle: „Die telemedizinische Fernbehandlung ist allerdings nicht nur ein Gewinn, sondern bald auch eine Notwendigkeit.“

So würden einerseits mit immer mehr betreuungsbedürftigen Senioren im Zuge des demografischen Wandels die Arztkontakte pro Patient steigen. Andererseits zeigten Hochrechnungen, dass von den derzeit knapp 6.800 Ärzten im Land ca. 1.600 in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen werden – ohne dass aber ausreichend Ärzte nachkommen dürften. „Hier bietet die Telemedizin vor allem für den Ländlichen Raum große Chancen, um eine angemessene haus- und fachärztlichen Versorgung aufrechtzuerhalten“, so der digitalisierungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Wir müssen die technischen Innovationen und ihre Potenziale deshalb offensiv nutzen.“

Telemedizin steigert Überlebenswahrscheinlichkeit und Sicherheitsgefühl von chronisch Kranken

Mithilfe der Telemedizin könnten Patienten weite oder unnötige Wegstrecken vermeiden oder medizinische Expertise in strukturschwache Gebiete gebracht werden. Eine Studie der Universitätsmedizin Greifswald habe außerdem nachgewiesen, dass herzkranke Patienten mithilfe der Telemedizin eine bis zu 70 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben. Durch die telemetrische Überwachung bestimmter Messwerte und Beschwerden könnten die Betroffenen frühzeitig ambulant behandelt werden – in der Regel sieben bis zehn Tage vor einem sonst drohenden Krankenhausaufenthalt. Darüber hinaus zeigten sich auch positive wirtschaftliche Effekte und eine höhere Patientenzufriedenheit: Die Programmteilnehmer fühlten sich sicherer. Deuschle: „Mit der Telemedizin steigt also auch die Lebensqualität.“

Bei Notfällen werden Anrufe an die Rettungsleitstelle weitergeleitet

Bei dem Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart und Tübingen wird die neue Technologie nun aber eingesetzt, um Routineuntersuchungen oder eine einfache Abklärung leichter Beschwerden von einem „Telearzt“ ortsunabhängig durchzuführen. Der Versicherte nimmt hier per App, online oder telefonisch Kontakt mit einem Service-Center Kontakt auf und gibt seine Personalien, Krankheitssymptome sowie die Dringlichkeit an. Bei lebensbedrohlichen Notfällen wird der Anruf an die Rettungsleitstelle weitergeleitet. Ansonsten wird ein „Ticket“ erstellt, das ein Tele-Arzt online aufrufen kann. Er ruft zurück, spricht mit dem Patienten über seine Beschwerden und gibt eine Empfehlung für die Behandlung. Im Idealfall kann der Tele-Arzt den Patienten abschließend telemedizinisch beraten und gegebenenfalls rezeptfreie Medikamente empfehlen. Rezepte kann er aus rechtlichen Gründen aber bislang nicht ausstellen.

 
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