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11.10.2018

Andreas Deuschle spricht beim Bibliotheksverband

"Wenn Bibliotheken unsere Schatzkammern sind, die den Stoff bieten, aus dem der geistige Horizont einer Gesellschaft mit gemacht wird, müssen wir auch nach dem Schlüssel fragen, der Menschen diese Schätze erschließt."

"Unsere Bibliotheken sind nichts anderes als unsere Schatzkammern"

Wie können Bibliotheken dazu beitragen, die Zukunft von Stadt und Land zu gestalten? Darum ging es beim Parlamentarischen Abend des baden-württembergischen Landesverbands im Deutschen Bibliotheksverband e.V.. Andreas Deuschle übernahm als Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses die Vertretung der Landtagspräsidentin und richtete ein Grußwort an die Gäste in der Stuttgarter Stadtbibliothek. Die Rede ist nachfolgend dokumentiert.

Herr Vorsitzender Dr. Mentrup,
meine Damen und Herren vom „Deutschen Bibliotheksverband“
als Gastgeberinnen und Gastgeber;
Frau Direktorin Brunner als Hausherrin,
liebe Kolleginnen und Kollegen des Landtags!

Sie kennen das wahrscheinlich alle: Wenn man Politiker nach ihren Hobbies fragt, bekommt man häufig die unverfängliche Antwort „Lesen“. Heute möchte ich es aber einmal großzügiger formulieren: Einen schönen Abend verbringe ich am liebsten mit einem guten Buch – aber auch gerne mit jemandem, der schon eines gelesen hat.

Ich freue mich jedenfalls, dass Sie, lieber Herr Dr. Mentrup, uns zu Letzterem heute die Gelegenheit geben. Zumindest gehe ich bei dem Bibliotheksverband einmal ganz stark davon aus, dass wir heute Abend auf die eine oder den anderen treffen, der auf manch gute Lektüre verweisen kann.

Und ich möchte mich bei Ihnen, Herr Dr. Mentrup, meine Damen und Herren, im Namen von uns Abgeordneten ganz herzlich für die Einladung bedanken, den freundlichen Empfang und die nette Begrüßung! Als Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kunst darf ich heute in Vertretung der Landtagspräsidentin und der Vizepräsidentin zu Ihnen sprechen, die ihr Fehlen ausdrücklich bedauern. Heute finden allerdings allein insgesamt drei Parlamentarische Abende gleichzeitig statt; und keiner kann – ich bin mir sicher, Sie haben dafür Verständnis – parallel auf mehreren Hochzeiten tanzen.

Aber wir, die hier anwesenden Abgeordneten, sind gekommen. Und wir sind gerne gekommen. Denn wenn es stimmt, dass wir im Land kaum über nutzbare Schätze verfügen, außer über unseren Geist und unsere Kreativität, dann sind unsere Bibliotheken nichts anderes als unsere Schatzkammern. Der Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband vertritt hier 240 Einrichtungen, also sowohl öffentliche wie wissenschaftliche Bibliotheken. Und damit eine breite, reichhaltige Fundgrube an Informationen, Wissen und Kultur.

Das Schöne ist, wenn diese „Fundgrube“ voller gesammelter, nicht zuletzt uralter Werke mit der Zeit geht und dabei auf die Menschen heute zugeht. Und dafür möchte ich Ihnen, meine Damen und Herren von den Bibliotheken, gleich zu Beginn unseren Respekt und unsere Anerkennung seitens der Landespolitik aussprechen: Sie haben – wie eine aktuelle Studie des Rats für Kulturelle Bildung belegt – die Digitalisierung insgesamt entschlossen angepackt und so gestaltet, dass mehr Kooperationen mit anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen entstanden sind, vor allem aber mehr neue Nutzer gewonnen wurden.

So wurde durch neue digitale Angebote und Vermittlungsformen für jede und jeden ein weiterer Möglichkeitsraum eröffnet, unabhängig von Zeit und Ort die Kulturgüter und das Wissen der Menschheit zu entdecken und für sich zu nutzen. Ich denke beispielsweise an die Onleihe der Stuttgarter Stadtbibliothek.

Im Unterschied zum bloßen Googeln geht es Bibliotheken allerdings auch um verlässliche, seriöse Quellen, um Beratung und Hilfe bei der Suche nach jedwedem Lesestoff. Man spricht gemeinhin auch von Medien- und Informationskompetenz und meint dabei nichts anderes als die Orientierung in der neuen digitalen Unübersichtlichkeit. Kurz: Es geht darum, den Schatz vom Ramsch zu unterscheiden. Denn – auch das lehrt uns die Digitalisierung manchmal schmerzhaft: Nicht alles ist Gold, was glänzt!

Somit kann man gar nicht oft genug den steigenden Wert der Bibliotheken hervor-heben. Dabei sind sie nicht nur Gold wert, weil sie – wie gesagt – hochwertige Informationen bereitstellen und helfen, diese kompetent zu nutzen. Durch die Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit tragen Bibliotheken auch ganz wesentlich zur Leseförderung bei. Und dass diese wichtiger ist denn je, haben uns die – so muss man es ja leider sagen – mehr als ernüchternden Ergebnisse der IGLU-Studie zur Lesefähigkeit von Grundschülern vor Augen geführt. Wichtig ist die Lesekompetenz vor allem deshalb, weil Lesen die Grundvoraussetzung ist und bleibt für die aktive Teilnahme an der Gesellschaft – sowohl sozial als auch kulturell.

Denn wer viel und gerne liest, ist nicht nur erfolgreicher in Schule, Studium und Beruf, sondern weitet auch seinen Horizont, hat vielfältigere Interessen. Und derjenige ist damit auch – wenn man so will – „geländegängiger“ in einer immer bunteren Gesellschaft mit immer neuen Herausforderungen. Diese Geländegängigkeit schafft Zugänglichkeit und damit Zusammenhalt; sie ermöglicht es, Gemeinschaft zu stiften über Unterschiede hinweg. Das meinte ich übrigens mit meiner Eingangsbemerkung: Belesene Menschen sind halt meistens auch gute Gesprächspartner, mit denen man gerne Zeit verbringt.

Wenn Bibliotheken aber nun unsere Schatzkammern sind, die den Stoff bieten, aus dem der geistige Horizont einer Gesellschaft mit gemacht wird, müssen wir auch nach dem Schlüssel fragen, der Menschen diese Schätze erschließt.

Ich halte dabei zwei Dinge für wichtig: 

Erstens: Trotz der erwähnten digitalen Öffnung von Bibliotheken und den damit einhergehenden neuen Möglichkeiten der Moderne, müssen wir – denke ich – auch immer wieder herrlich altmodisch sein. Denn die Lust am Lesen wird früh geweckt oder eben früh verschlafen. Gerade in einer Zeit, in der Kinder mit der Schnelllebigkeit der digitalen Welt aufwachsen, kommt es umso stärker darauf an, gemeinsam und ganz bewusst mit den Kleinen die Welt der Bücher zu entdecken. So wie schon zu früheren Zeiten. Denn ich glaube, wer als Kind mit Mama und Papa Bilderbücher angeschaut, von ihnen Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen bekommen und sich als Jugendlicher mit langen Romanen dann selbst unter der Bettdecke verkrochen hat, wird auch später eher zum Buch greifen. Die Leseförderung beginnt also im Privaten, in der Familie.

Doch als Politiker sollten wir nicht nur den Lesebedarf der Gesellschaft beschwören. Es gibt auch Gesprächsbedarf. Und damit bin ich bei dem zweiten Punkt: Den Rahmenbedingungen für eine gedeihende Bibliothekslandschaft im Land. Hier stehen wir als Politiker in der Verantwortung. Die Verankerung der Bibliotheken in der baden-württembergischen Bildungslandschaft wurde bereits durch verschiedene Rahmenvereinbarungen festgeschrieben. Darüber hinaus müssen wir aber natürlich auch darüber sprechen, wie wir etwa dem Stadt-Land-Gefälle bei den Bibliotheken begegnen können, was wir insgesamt rechtlich gegebenenfalls ändern müssen, etwa über ein Bibliotheksgesetz, und inwiefern dann eine Landesförderung öffentlicher Bibliotheken infrage kommt.

Als Bibliotheksverband in Baden-Württemberg haben Sie hier klar Stellung bezogen und im Positionspapier „Gemeinsam die Zukunft von Stadt und Land gestalten“ ihre Erwartungen formuliert. Für diesen Aufschlag zu einem „Bündnis für Bibliotheken“ sind wir Ihnen dankbar – haben Sie damit doch die Grundlage geschaffen für mögliche weitere Schritte. Und grundsätzlich sind wir – und da denke ich, verspreche ich nicht zuviel – auch bereit, Schritte zu machen.

Wir, die Abgeordneten im Stuttgarter Landtag, hoffen jedenfalls auf gute Gespräche und freuen uns auf den Austausch mit Ihnen! Herzlichen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.

 
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