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12.09.2018

"Niemand darf gegen seinen Willen zum Organspender werden!"

Die Organentnahme ist ein massiver Eingriff, der nicht einfach ohne ausdrückliche Zustimmung des Betroffenen vollzogen werden darf, findet Andreas Deuschle.

Deuschle wendet sich gegen Widerspruchslösung

Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach jeder Erwachsene automatisch zum Organspender werden soll, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht, stößt bei dem Esslinger CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle auf Ablehnung: „Ich halte es für ausgesprochen besorgniserregend, wenn das Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen für fremdnützige Zwecke einfach ausgehebelt werden soll.“


Deuschle, der selbst Jurist ist, begründet seine Haltung vor allem mit der geltenden Rechtsauffassung, wonach Schweigen nie als Zustimmung ausgelegt werden kann: „Alles andere widerspricht dem Grundsatz unseres Rechtssystems.“ Gerade auch im Vergleich zu anderen Lebensbereichen sei die vorgeschlagene Widerspruchslösung zur Organspende nicht nachvollziehbar: „Es ist doch absurd, dass man aus Rücksicht auf die Privatssphäre heute zwar keine Daten von anderen mehr nutzen darf, ohne vorher ihre ausdrückliche Zustimmung eingeholt zu haben. Ausgerechnet im besonders sensiblen Bereich von Sterben und Tod soll man aber plötzlich über Dritte frei verfügen können. Da wird mit zweierlei Maß gemessen!" 

Unentschlossenheit anderer nicht einfach ausnutzen!

Der CDU-Politiker betonte, er wende sich keineswegs gegen die Organspende an sich. Überlegenswert sei etwa der Vorschlag des Nürtinger Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU), wonach registrierte Organspender bei der Organvergabe schneller berücksichtigt werden sollen. „Das wäre ein positiver Anreiz, der es belohnt, wenn sich jemand nach reiflicher Überlegung zur Organspende entschließt“, findet Deuschle. Wer für Vertrauen in die Transplantationsmedizin werben wolle, dürfe jedoch keinesfalls auf Bevormundung, sondern müsse auf Aufklärung setzen. Deuschle: „Niemand darf gegen seinen Willen zum Organspender werden.“

Diese Gefahr sieht der 39-Jährige jedoch, sollte die diskutierte Widerspruchslösung eingeführt werden: „Es ist doch so, dass jeder zwar gerne Leben retten würde, gleichzeitig aber bezüglich der Organentnahme bei Hirntoten auch oft Zweifel hat. Diesen Widerspruch kann nur jeder für sich allein auflösen.“ Wer dies nicht tue und keine Erklärung abgebe, sei aber vermutlich mindestens genauso gegen wie für die Organspende. „Und das gilt es zu respektieren“, so Deuschle, „Ich halte es jedenfalls für anmaßend, die Unentschlossenheit anderer auszunutzen, gleich ob diese nun religiösen Motiven oder bloßer Trägheit geschuldet ist.“

Die Organspende muss ein freiwilliges Geschenk bleiben

Denn so verständlich die patientenzentrierte Sichtweise auch sei: „Einen Anspruch auf die Organe eines anderen gibt es nicht“, stellt Deuschle klar. „Eine Spende ist immer ein Geschenk, ein Opfer aus freiem Entschluss. Und das muss gerade bei der Organspende auch so bleiben.“

Der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Stuttgarter Landtag kündigte an, seine Position auch gegenüber seinem Parteifreund, Bundesgesundheitsminister Spahn, deutlich zu machen. Am Mittwoch treffen sich die beiden Politiker im Rahmen der Klausurtagung der CDU-Landtagsfraktion in Berlin.

 
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© Andreas Deuschle MdL 2018