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11.06.2018

Islam-Experte Michael Blume bei „Deuschle im Dialog“

Für eine sachliche Islam-Debatte: Dr. Michael Blume bei "Deuschle im Dialog".

„Der Geburten-Dschihad fällt aus“

Kaum ein Thema sorgt für so hitzige Diskussionen wie der Islam. Ist dieser nicht eine Religion der Radikalen? Kann eine solche Religion überhaupt zu Deutschland gehören? Bei der Veranstaltung „Deuschle im Dialog“ am 7. Juni beim CVJM Esslingen sollte der Sache fernab polarisierender Zuspitzungen auf den Grund gegangen werden. Und zwar mit dem renommierten Religionswissenschaftler und Bestsellerautor Dr. Michael Blume.

Die berühmte Gretchenfrage kam erst ganz am Schluss: Gehört der Islam zu Deutschland? Für Michael Blume, der selbst mit einer Muslima verheiratet ist, war die Antwort eindeutig: „Der Islam gehört zu Deutschland, ebenso wie viele andere Religionen Teil unserer Gesellschaft sind“. Selbstverständlich auch das Christentum, obwohl es beispielsweise auch dort Radikale wie die Piusbrüder gebe, so der Religionswissenschaftler: „Diese Debatte, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehören soll, ist aber insgesamt wie ,Kopf in den Sand stecken‘ und zu glauben, dass damit das Problem verschwindet. Wir müssen da differenzierter sein.“

Die islamische Welt war einst eine Hochkultur

Eine differenzierte Analyse hatte Blume zuvor selbst in einem Vortrag über sein aktuelles Buch „Islam in der Krise“ geliefert. Dem Eindruck, der Islam sei eine selbstbewusst expandierende, gar eine von ihrem Wesen nach grundsätzlich radikale Religion, trat er entgegen.

So sei es lange das Osmanische Reich gewesen, das weltweit führende Universitäten hervorgebracht und sogar Juden aufgenommen habe, die von Christen aus Europa vertrieben worden waren. „Die Gebildeten kamen damals in die islamische Welt. Heute ist es genau umgekehrt.“ Ein wesentlicher Grund dafür: Das Verbot des Buchdrucks in der arabischen Welt im Jahr 1485, das laut Blume den Anfang vom Ende der einstmals stolzen Hochkultur markierte. „Diesen riesigen Bildungsunterschied hat die muslimische Welt niemals wieder aufgeholt.“ Und genau das habe den Islam in eine Krise gestürzt.

Angst vor der "Christianisierung" und gefährliche Ölgeschäfte

Auf der einen Seite beobachtet Blume eine Radikalisierung von Muslimen, die er auf die im Zuge des Niedergangs entstandene Verunsicherung zurückführt. Diese Gruppe von Muslimen wittere überall eine Verschwörung des Westens und des israelischen Geheimdienstes Mossad, sie verachte Bildung und fürchte gar eine „Christianisierung“. Festgemacht würde diese Angst etwa an der zunehmenden Übernahme der christlichen Zeitrechnung im Nahen Osten, der Popularität von Weihnachten oder des Valentinstags unter Muslimen.

Gestärkt würden fundamentalistische Strömungen durch die Öl- und Waffengeschäfte des Westens mit arabischen Regimen, wie Blume kritisch anmerkte; denn dadurch würden die Diktatoren unterstützt, die mit ihrem Machtsystem die Entwicklung einer freien Zivilgesellschaft unterdrückten. „Solange wir Öl einkaufen, wird im Nahen Osten keine Demokratie, kein Frieden entstehen.“

Starker Säkularisierungsprozess unter Muslimen

Auf der anderen Seite stellt Blume aber auch einen „starken Säkularisierungsprozess“ in der islamischen Welt fest. Der Experte verwies nicht nur auf den Iran, wo Frauen demonstrativ das Kopftuch ablegten, sondern er berichtete auch von Muslimen aus seinem Umfeld, die das Ramadan-Fasten aufgeben oder selbst sogar Angst haben vor arabischen Männern mit langen Bärten und weiter, traditioneller Kleidung. Mit Blick auf den islamistischen Terror, der vor allem Muslime selbst treffe, sagte Blume: „Das geht am Glauben dieser Muslime nicht spurlos vorbei.“

So räumte Blume auch mit dem Klischee auf, dass Muslime hierzulande „fünf Mal am Tag beten und so viele Kinder kriegen“. Die Geburtenraten bei Muslimen gingen weltweit massiv zurück. Und die Moscheen in Deutschland täten sich schwer, Nachwuchs zu finden: „Oftmals besteht in Moscheen die ganze Jugendarbeit darin, im Keller einen Tischkicker zu haben. Wir haben also nicht das Problem, dass die Islamverbände zu stark wären.“ Sein Befund: „Der Geburten-Dschihad fällt aus.“

In Zahlen ausgedrückt fällt Blumes Analyse so aus: „Etwa 60 Prozent der Muslime wenden sich ab und ziehen sich zurück und 20 Prozent radikalisieren sich. Die Leute, die Glaube und Vernunft in Balance halten, fehlen im Islam.“

"Wir sind ein freiheitlicher Staat, aber wir ziehen auch Grenzen"

Insgesamt plädierte Blume, der auch erster baden-württembergischer Antisemitismusbeauftragter ist, für einen offenen und unvoreingenommenen Dialog mit Muslimen. „Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, warum Frauen ein Kopftuch tragen. Aber es ist auch wichtig zu wissen, warum sie keins tragen.“ Eine Vollverschleierung habe in Europa allerdings definitiv nichts verloren. „Wir sind ein freiheitlicher Staat, aber wir ziehen auch Grenzen“, so Blume. Denn auch für die Zukunft des Islam sei – neben der Bildung – die Achtung der Frauenrechte entscheidend. „Sie können keine Kultur oder Religion entwickeln, wenn die Frauen keine Rechte haben.“

Andreas Deuschle definierte genau das auch als politisches Ziel, „einen weltoffenen, aufgeklärten Islam zu fördern“. So wie die CDU das in Baden-Württemberg mit der Einführung des Islam-Unterrichts versuche. Es sei aber genauso wichtig, Stoppschilder aufzustellen; etwa mit dem Burka-Verbot in Gerichten, wofür sich aktuell CDU-Justizminister Wolf einsetzt. Insgesamt gelte es, die Sorgen und Ängste der Menschen ernst zu nehmen, so Deuschle. „Ich möchte der AfD hier nicht das Feld überlassen. Deshalb müssen wir sachlich und besonnen diskutieren, um den Populisten entgegentreten zu können.“ Die Veranstaltung „Deuschle im Dialog“ mit Michael Blume sollte ein Beitrag dazu sein.

 
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