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17.04.2019

"Deuschle im Dialog" im Esslinger Bienengarten

Vor der Diskussion zum Thema Insektensterben stellten die Esslinger Imker ihre Bienenvölker vor.

"Die Bienen sind Mahner für die Umwelt!"

Artenvielfalt bewegt – und hat in Bayern so viele Menschen für ein Volksbegehren mobilisiert wie nie zuvor. Dass der Schutz der Insekten aber komplexer ist als viele glauben, machte die Diskussion bei „Deuschle im Dialog“ im Esslinger Bienengarten deutlich: Es wurde ein Gespräch über schwierige (Aus)Wege – zwischen sinkenden  Insektenzahlen und steigenden Ansprüchen des Menschen.

„Nice to have“ – So sei das Thema Insektensterben noch vor wenigen Jahren gesehen worden, erzählt Dr. Peter Rosenkranz, seit 1994 Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde. „Inzwischen geht das Thema durch die Decke: Ich kann im Sportverein am Stammtisch über Insektensterben reden.“ Örtlich naheliegender ist da der Bienengarten des Esslinger Bienenzüchtervereins, wo Andreas Deuschle MdL Bürger zum Gespräch mit Experten eingeladen hatte. Neben Rosenkranz waren der Präsident des Landesverbandes Württembergischer Imker e.V., Ulrich Kinkel, die Aichwalder Landwirte Traugott und Tobias Fetzer sowie Volkmar Klaußer, Geschäftsführer der Stadtwerke Nürtingen, gekommen.

"Wir erkennen an der Biene sehr schnell, was los ist in der Umwelt"

Doch egal ob im Sport- oder im Bienenzüchterverein: Wer über das Insektensterben diskutiert, spricht über ein globales Problem. Allein ohne die Biene – so Deuschle mit Verweis auf wissenschaftliche Schätzungen – würde die Weltgemeinschaft jedes Jahr 200 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren. Imkerpräsident Kinkel beschreibt die Biene dabei als das „drittwichtigste Nutztier“, vor allem aber als einen „Mahner für die Umwelt“: „Wir erkennen am Zustand der Bienen sehr schnell, was los ist in der Umwelt.“ Forscher Rosenkranz spricht von einem „dramatischen Wandel“: „Sowohl die Biomasse als auch die Zahl der Arten nehmen ab.“ Und so werde es auch weitergehen, meint der Privatdozent an der Universität Hohenheim – „wenn wir realistisch bleiben.“

"Verbliebene Flächen clever nutzen"

Doch was ist dann noch überhaupt an Gegenmaßnahmen realistisch möglich? Laut Rosenkranz geht es darum, die wenigen verbliebenen Flächen „clever“ zu nutzen.  Dazu gehöre, dass Kommunen mehr Blumen für die Insekten stehen lassen und beispielsweise Parkflächen nur teilweise mähen. Kinkel verweist auf die im Rahmen der Landesgartenschau entwickelte „Bienenroute“ mit Blühflächen entlang der Rems: „Es kann also auch in dicht besiedelten Gebieten etwas gemacht werden.“

Überhaupt: Neben der Intensivierung der Landwirtschaft spielten generell gestiegene Ansprüche der Bürger eine große Rolle bei der Beeinträchtigung der Insekten, sagt Rosenkranz.  So gebe es nicht nur mehr Menschen, die Wohnraum nachfragen, sondern der Einzelne beanspruche auch für sich selbst mehr Platz für die eigenen vier Wände als früher: „Menschen haben immer höhere Priorität. Aber wir müssen das richtige Maß finden!“ Flächen könnten beispielsweise auch gewonnen werden, wenn weniger Fleisch gegessen und Essen seltener weggeworfen würde. Rosenkranz: „Man muss sich selbst kritisch hinterfragen.“

"Als Landwirt hat man an vielen Fronten zu kämpfen"

Dafür plädierte auch Traugott Fetzer vom Neuwieshof in Aichwald. Als nachhaltig wirtschaftende, in möglichst geschlossenen Stoffkreisläufen arbeitende Landwirtschaft sieht er sich „im gleichen Hemd“ wie Imker und Naturschützer. Trotzdem: „Die anderen wissen immer nur, was der Bauer falsch macht.“ Entsprechend hätte er sich gefreut, wenn beim bayerischen Volksbegehren nicht nur die Landwirte „dran gekommen“ wären. Fetzer: „Als Landwirt hat man an vielen Fronten zu kämpfen, wenn man was ändern will.“ Denn schon allein über ungemähte Wiesen und den Einsatz von Gülle an Stelle von synthetischem Dünger beschwerten sich Bürger.

Volkmar Klaußer von den Stadtwerken Nürtingen hat auch da Verständnis für die Landwirte, wo diese auf Reinkulturen setzen: „Die Maiserträge sind einfach am höchsten.“ Damit diese trotzdem auch Platz für artenreiche Blühflächen schaffen, haben die Stadtwerke Nürtingen das Projekt „Bienenstrom“ initiiert. Dabei fließt ein Cent je bezahlter Kilowattstunde in die Erstattung des Ertragsausfalls, den Landwirte haben, wenn sie die Flächennutzung auf mindestens einem halben Hektar umstellen. „Das sind 500 Quadratmeter pro Haushalt, die wir erreichen“, so Klaußer zum Erfolg des Projekts.

"Baden-Württemberg ist eine Insel der Seligen"

Dass bei der Förderung von Blühstreifen auch die Landesregierung nicht untätig ist; darauf verweist Andreas Deuschle. Insgesamt würden 2018 und 2019 unter aktiver Beteiligung des CDU-geführten Agrarministeriums 36 Millionen Euro für die Stärkung der biologischen Vielfalt im Land ausgegeben. Auch aus Sicht von Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde haben die baden-württembergischen Agrarminister schon zu CDU-Regierungszeiten das umgesetzt, „was mit der Landwirtschaft möglich war“: „Baden-Württemberg ist hier eine Insel der Seligen.“

Trotzdem müsse noch mehr möglich sein, sind sich Imker-Präsident Kinkel und Bienenkundler Rosenkranz einig. Wer wirklich „eine Bremse reinhauen“ wolle beim Artensterben, müsse das Fliegen teurer machen, den Autoverkehr dramatisch reduzieren und die Landwirtschaft umstellen. Rosenkranz: „Wenn wir nochmal fünf bis zehn Prozent der Fläche anders bewirtschaften, wird das wehtun.“

"Wir müssen alles unter einen Hut bringen!"

Andreas Deuschle hält dabei aber Verbote nicht grundsätzlich für das Mittel der Wahl. Jemand, der – wie Klaußer anmerkte – jeden Euro zweimal umdrehen müsse, habe einen anderen Blick auf das Thema als jemand, der dies nicht müsse. Seinen Anspruch an die Politik formuliert Deuschle daher so: „Wir müssen alles unter einen Hut bringen.“ Ein zentraler Hebel dabei: Die Macht der Verbraucher. Die Verantwortung jedes Einzelnen wird also zum „Must Have“.

Andreas Deuschle dankt dem Bezirksbienenzüchterverein Esslingen um die Vorsitzende Ute Gasselin herzlich für den freundlichen Empfang im Bienengarten sowie die interessante Vorstellung der Bienenvölker.

 
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© Andreas Deuschle MdL 2019