Der Krieg in der Ukraine lässt die Lebensmittelpreise steigen und die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft wieder in den Fokus rücken. Vor diesem Hintergrund haben sich die beiden CDU-Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Esslingen, Dr. Natalie Pfau-Weller und Andreas Deuschle, am Montag (28. März) mit Landwirten aus der Region ausgetauscht.

Putins Angriffskrieg wirkt sich auch auf die Nahrungsmittelproduktion in der Welt aus. Allein 30 Prozent des weltweit gehandelten Weizens kommen aus Russland und der Ukraine. Viele Länder beziehen zudem mehr als die Hälfte ihres Düngers aus Russland, in Deutschland sind es rund 30 Prozent. Die Düngerkosten haben sich deshalb um das Drei- bis Fünffache erhöht. Die steigenden Energiepreise tun ihr Übriges: Sie verteuern auch noch Transport und Kühlung in der Landwirtschaft.

"Wir brauchen eine Perspektive"

„Wir brauchen insgesamt eine Perspektive, wie wir als Landwirte noch wirtschaften können“, heißt es vor diesem Hintergrund bei den Landwirten des Kreisbauernverbands Esslingen und der regionalen Mahnfeuergruppe „Land Schafft Verbindung“ (LsV). Eindringlich werben die Bauern für ein Umdenken in der Politik. „Wir dürfen die Bedürfnisse der Landwirtschaft nicht nur tagesaktuell diskutieren, bis dann wieder anderes wichtiger und die Landwirtschaft vergessen ist.“

Vorgaben setzen Landwirte unter Druck

Denn herausgefordert sehen sich die Landwirte nicht nur durch die aktuell explodierenden Kosten für ihre Betriebsmittel, sondern auch durch diverse grundsätzliche Vorgaben. Dazu zähle, dass ab 2023 in ganz Europa auf mindestens vier Prozent der Ackerfläche nichts mehr wachsen soll. Außerdem sollen immer mehr Ackerflächen für Photovoltaik genutzt oder der Einsatz von Pflanzenschutzmittel reduziert werden.

„Wir sehen bei der Nahrungsmittelproduktion eine klare Richtung zur Ineffizienz“, heißt dazu bei den Bauernvertretern. Wenn sich die Lage nun auch noch wegen teuren Düngers weiter zuspitze, sei nicht ausgeschlossen, dass Deutschland 2023 erstmals auf Getreideimporte angewiesen sei. Insgesamt sei mit vielen Millionen zusätzlichen Hungernden in der Welt zu rechnen, die sich gegebenenfalls auf den Weg nach Europa machten, wenn man dort dem kriegsbedingten Druck auf den Agrarmarkt nichts entgegensetze.

"Mehr Wertschätzung für ertragreiche Böden!"

„Ertragreiche Böden müssen unbedingt wieder mehr Wertschätzung erfahren und wo immer möglich, landwirtschaftlich genutzt werden“, so die Umweltpolitikerin Dr. Natalie Pfau-Weller, die für den Wahlkreis Kirchheim im Landtag sitzt. „Agri-Photovoltaik, bei der Landflächen gleichzeitig sowohl für die photovoltaische Stromerzeugung als auch landwirtschaftlich genutzt werden, hat für uns als CDU auf jeden Fall Vorrang gegenüber Freiflächen-Photovoltaik mit starken Nutzungseinschränkungen für die Landwirtschaft.“

"Die Nahrungsmittelproduktion muss Priorität haben!"

„Wir müssen wieder deutlich machen, dass die Nahrungsmittelproduktion Priorität hat“, stellt Andreas Deuschle aus Esslingen klar, der stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion ist. „Wir können es ethisch nicht verantworten, wenn wir bei uns nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, um einen Beitrag zur weltweiten Ernährungsversorgung zu leisten.“ Landwirte dürften deshalb nicht weiter belastet und die Vier-Prozent-Brache-Verpflichtung in der EU müsse temporär ausgesetzt werden.

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